Lesung der Autorin Ira Peter

„Deutsch genug? Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen.“ – So lautet der Buchtitel von Ira Peter, die wir am 20. März an unserer Schule begrüßen durften. Die von der Reinhold-Maier-Stiftung organisierte Lesung war ein Beitrag zur interkulturellen Bildung unserer UNESCO-Projektschule.

Autorin Ira Peter liest aus ihrem Buch vor einem aufmerksamen Publikum im Workshop der GSS.

Moderator Christoph Giesa leitet die Fragerunde

In ihrem Vortrag gab die Autorin etwa 120 Schüler*innen der 9., 10. und 11. Klassen einen Einblick in ihr am Vortag erschienenes Buch ,,Deutsch genug? Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen''. Sie erzählte dem Publikum erzählte von ihren eigenen Erfahrungen als Russlanddeutsche.

Was sind „Russlanddeutsche“? Diese Frage klärte der Moderator Christoph Giesa zunächst gemeinsam mit dem Publikum: Es handelt sich um die Nachkommen deutscher Einwanderer, die im Russischen Reich unter der Regierung Katharinas der Großen an der unteren Wolga ansässig wurden. Sowohl die seither in Russland verbliebenen Deutschen als auch die aus Russland zugewanderten Deutschen wurden und werden als Russlanddeutsche geführt. Ihre Einwanderungsgeschichte nach Deutschland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist das Thema des vorgestellten Buches – verknüpft mit der persönlichen Geschichte der Autorin.

Besonders bewegend waren ihre Erzählungen von Familienmitgliedern, welche im Zusammenhang mit den Stalin‘schen Säuberungsaktionen nach Sibirien deportiert worden waren und jahrelang die dort für ihre Gruppe errichtete Siedlung nicht verlassen durften. Sie lebten unter prekären Verhältnissen in Kälte und Hunger und mussten zusehen, wie Kinder erfroren, da die Mütter arbeiten mussten. Diese sehr persönliche Schilderung ermöglichte uns einen lebensnahen Einblick in die Verhältnisse im Laufe der russlanddeutschen Geschichte.

Ira Peter sprach sehr offen über ihre Kindheit, die sie - als eingewanderte „Russlanddeutsche“ - ab dem 10. Lebensjahr in Deutschland verbrachte. Sie beschrieb ihre Identitätskonflikte, welche sie als junge Frau beschäftigten. Oft fragte sich Ira Peter, ob sie ,,deutsch genug'' sei - eine Frage, die wohl die meisten Menschen mit Migrationsgeschichte beschäftigt. Die Erzählungen vermittelten uns den historischen Kontext und regten zum Nachdenken über die Bedeutung von Zugehörigkeit und Identität an. Ira Peter ermutigte uns, auf Menschen in unserem Umfeld zu achten, Toleranz sowie Empathie zu zeigen. Sie machte deutlich, wie wichtig es ist, Themen nicht nur aus der Perspektive der Vergangenheit zu betrachten, sondern auch als Teil unserer heutigen Gesellschaft.

Dieser Vortrag war eine hervorragende Gelegenheit für die 9., 10. und 11.-Klässler, etwas über Integration, Zugehörigkeit, Toleranz und die Geschichte der Russlanddeutschen zu lernen. Interkulturelles Lernen anhand einer persönlichen Biografie. Wir danken Ira Peter herzlich für ihren Besuch und die Impulse, welche sie uns mit auf den Weg gab.


Louise S., Klasse 10