Geschwister-Scholl-Schule Tübingen

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Schulsozialarbeit

Rainer Borst, SchulSozialPädagoge, Familientherapeut und Streitschlichter berichtet.

Wie alles anfing...

Als erster Sozialpädagoge an einer Tübinger Schule habe ich vor 35 Jahren an der Geschwiser-Scholl-Schule angefangen. Mittlerweile sind wir 29 KollegInnen, die als SchulsozialpädagogInnen an den verschiedenen 25 Tübinger Schulen tätig sind!

In den ersten Jahren sammelte ich als frischgebackener Diplompädagoge erste gute Erfahrungen mit Angeboten für Klassen im Unterricht (Spielstunden oder Projekte zum Sozialen Lernen), sozialpädagogischen Freizeitaktivitäten (Kajakbau, Volleyball-AG, Zeltfreizeiten) oder der Einrichtung unseres Schülercafés (das Cafe Chaos gibt es heute noch !) und Bauaktionen in Zimmern. Im Lauf der Zeit kamen der die Mitarbeit im JugendForum und Angebote zum Übergang Schule-Beruf für Hauptschulabgänger und -vor 25 Jahren !- das Mentoren-Projekt hinzu.

Meine beruflichen Kompetenzen konnte ich durch langjährige Erfahrungen und Fortbildungen erweitern - Nicht zuletzt dadurch hat sich das Profil meiner Arbeit deutlich verändert: Beratung, Einzelfallhilfe und Coaching in Konfliktsituationen -auch für KollegInnen- spielen nun eine wesentlichere Rolle: Während ich früher noch öfter Klassenprojekte mitgeplant und durchgeführt habe, unterstütze ich nun KollegInnen bei Bedarf in der Planung oder ich leite engagierte Jugendliche an, die dann, z. B. als MentorInnen, selbst Angebote machen können.

Wie meine Arbeit einzuordnen ist...

Neben der Familie ist die Schule für mich die wesentliche Sozialisationsinstanz. In der Schule zeigen sich oft schon frühzeitig Defizite im Verhalten und Lernen von Jugendlichen.

Sozialpädagogische Unterstützungsangebote in der Schule können und sollen dazu beitragen, ein Herausfallen aus der Bezugsgruppe zu verhindern (im Sinn Präventiver Jugendhilfe) und Problem-Karrieren vermeiden helfen, durch Auf- und Ausbau hilfreicher Fähigkeiten.

Als Schulsozialpädagoge verstehe ich mich als

  • Bindeglied zwischen Schule und Jugendhilfe im Sinn gelingender Kooperation ebenso wie als
  • Mittler zwischen Elternhaus, Gemeinwesen und anderen Sozialen Diensten (wie Jugendhaus, sozialer Gruppenarbeit, Arbeitsamt, Beratungsstellen, Therapeuten, Drogenberatung ...)

Ich begreife mich als gleichrangiger Kooperationspartner für Lehrerinnen und Lehrer, der eigene pädagogische und therapeutische Kompetenzen einbringen kann. Neben meiner Ausbildung zum Sozialpädagogen habe ich Qualifikationen und praktische Erfahrungen als Familientherapeut, Su-pervisor, Mediator und Coach sammeln können, um so besser auf Anforderungen in einem großen Schulzentrum reagieren zu können.

Eltern und Jugendliche haben die Möglichkeit, sich vor Ort vertraulich und kostenlos beraten zu lassen.

Anlass für Beratung und Hilfsangebote sind

  • Leistungskrisen und Selbstwertprobleme
  • Schwierigkeiten mit Freunden, Eltern oder Geschwistern
  • Außenseiter-Erfahrungen in der Klasse bis hin zu Mobbing
  • Massive Konflikte mit anderen und aggressives Verhalten
  • Ängste und beunruhigendes Verhalten bis hin zu Suiziddrohungen
  • Selbstschädigendes Verhalten (Selbstverletzung, Drogenkonsum)
  • unregelmäßiger Schulbesuch, Schulmüdigkeit, Verweigerung

Angebote für Jugendliche und Eltern

Meine Angebote richten sich in erster Linie an Jugendliche und ihre Eltern. Da ich mittlerweile das Schulzentrum, ebenso wie wichtige Personen und Abläufe sehr gut kenne, kann ich auch LehrerInnen Unterstützung anbieten. Und der Gemeinschaftsschule unterstütze ich die Arbeit unserer Lerncoaches.

Zu einem wesentlichen Arbeitsschwerpunkt ist so in „Beratung und Einzelfallhilfe" geworden. Wie die nebenstehende Statistik deutlich macht, habe ich so innerhalb eines Schuljahrs mit vielen Kindern und Jugendlichen unserer Schule intensiver zu tun ...

In vertraulichen Gesprächen verstehe ich mich als Klärungshelfer und neutraler Coach: Bewusst verzichte ich darauf, Patentlösungen und Rezepte oder langfristig angelegte therapeutische Hilfe an-bieten zu wollen.

Häufig spielen wir statt dessen ganz praktisch Verhaltensalternativen durch oder suchen nach Ausnahmesituationen und eigenen Stärken, die hilfreich sein könnten.

Als ganz wesentlich erweist es sich immer wieder, Jugendliche so zu ermutigen, dass es ihnen gelingt, selbst mehr Verantwortung für ihre Situation zu übernehmen und gemeinsam eine für sie stimmige Lösung suchen zu können.

Das schriftliche Festhalten von Vorhaben („Vertragsarbeit"), deren Umsetzung in einem gewissen Abstand gemeinsam überprüft wird, hat sich hier u.a. als hilfreich erwiesen. Wenn Ratsuchende zu-stimmen, vereinbaren wir ggf. gemeinsame Gespräche mit Lehrern, Mitschülern oder anderen Unterstützern. Im Einzelfall ebne ich auch den Zugang zu wichtigen sozialen Einrichtungen oder den KollegInnen im Jugendamt.

Austausch und Coaching mit KollegInnen

Im Lauf der Jahre haben immer mehr KollegInnen in Möglichkeit in Anspruch genommen, in einem (oder mehreren) Gespräch(en) wegen pädagogischen Fragen aber auch wegen persönlichen Themen, meine Hilfe in Anspruch zu nehmen. In den formellen Coaching-Gesprächen spielen wir beispielsweise Ideen für den adäquaten Umgang mit Außenseitern, mit „Mobbing" oder störendem Schülerverhalten durch, die die Lehrer dann erproben können.

Ebenso wichtig erscheinen mir informelle Gespräche (die u. U. auch zu einem „Auftrag" bezüglich ei-nes Schülers führen können), die sich im Schulalltag zwischen Tür und Angel, beim Kaffeetrinken oder beim Mittagsimbiss, ergeben.

Konfliktregelung und Mediation

Bei Schulkonflikten werden Streitschlichtung und Mediation (vorrangig in den Klassen 5 bis 9) regelmäßig nachgefragt. In den vergangenen Jahren wurde ich in über 3oo Fällen (bei denen es teils um massive Beleidigungen, schwerwiegende körperliche  Auseinandersetzungen, Sachbeschädigung und Eigentumsdelikte ging) als Schlichter tätig. In aller Regel werden sie mit einem Ergebnisprotokoll abgeschlossen.

In manchen Fällen verzichten wir bewusst auf ein förmliches Schlichtungsverfahren: Manchmal ist es günstiger, betroffene Jugendliche dabei zu unterstützen, andere Strategien und damit Selbstbewusstsein zu entwickeln, um sich dann selbst in angemessener Weise abzugrenzen und eingefahrene Konfliktmuster zu unterbrechen...

Und natürlich – das Mentoren-Projekt!

Hervorheben möchte ich noch die Bedeutung des Schüler-Mentoren-Projekts: SchülerInnen der Mittelstufe erhalten hier seit vielen Jahren (ab der 9. Klasse) die Chance, attraktive Angebote für die Orientierungsstufe selbst zu entwickeln und durchzuführen.

Im Lauf des Schuljahrs veranstalten die MentorInnen neben 3 Unterstufen-Festen (mit jeweils bis zu 35o Besuchern !), ein großes Open-Air-Sport-Event zu Schuljahrsbeginn, einen Weihnachts-Bastel-Basar, eine sehr aufwändige Nachtaktion für mit Grusel-Parcours, Überraschungsfilm und anderen tollen Möglichkeiten in der Schule und daneben eine Vielzahl an klassenbezogenen Freizeit-Aktionen ...

Besonders diese Großaktionen erfordern intensive Anleitung und Unterstützung, regelmäßige und kon-tinuierliche Vor- und Nachbereitungszeiten, ebenso wie Planungssitzungen mit den MentorensprecherInnen: Dazu kommen zwei mehrtägige Workshops im Bauernhaus in Zimmern als auch monatliche Mentoren-Treffen in der Schule. Hier geht es nicht zuletzt darum, das Konzept und neue Ideen gemeinsam weiter zu entwickeln, um die vielen InteressentInnen angemessen einsetzen zu können.

Ohne erhebliches zeitliches Engagement in diesem Bereich würde dieses Angebot nicht existieren. Sehr hilfreich sind hier Checklisten und Auswertungsinstrumente aller Art ...

Mitarbeit im „Lebensfeld Schule“

 

 

 

 

 

 

 

 

Da ich unsre Schule und ihr Umfeld ganz gut kenne, bestehen darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten, den Zusammenhalt in unserem Schulzentrums zu steigern - Zu nennen sind hier u.a.:

  • Ganztagsangebote (nicht nur) im Jugendforum und die Kooperation mit den KollegInnen dort
  • meine Mitarbeit im Trainingsraum-Team und bei Evaluation und Weiterentwicklung des Konzepts
  • das Projekt „Lernen und Leben im Bauernhaus der Schule in Zimmern"
  • Unterstützung für die Arbeit des Mensatreff (Schülerhelfer und Kasse...)
  • die aktive Teilnahme im AK Kinder und Jugendliche, in dem sich alle Institutionen des Stadtteils treffen
  • Begleitung und individuelle Hilfen beim Übergang Schule-Beruf für HauptschülerInnen

 

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