Geschwister-Scholl-Schule Tübingen

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Der Fachbereich Kunst eröffnet seine "Online-Galerie"!!

Den Auftakt von Exponaten im Internet machen die Künstlerinnen und Künstler des Neigungskurses der Klasse 13. Zum Abschied zeigen die Abiturientinnen und Abiturienten Werke zum Thema "Ich - im Käfig der Erinnerungen". Angeschlossen an die praktische Arbeit war eine Auseinandersetzung mit dem Werk der Künstlerin Louise Bourgeois.

Die Schülerinnen und Schüler des Neigungskurses 13 sind

Nele Beck, Paul Behren, Selam Bekure, Johannes Bock, Maxie Braun, Matthias Friedmann, Svenja Fürbringer-Raschke, Reena Giess, Alina Haug, Luca Kieser, Florian Klingler, Anna Knöller, Marie Kuhn, Sophie Lupas, Lea Nikischin, Marlene Schultheiß, Judith Schweizer, Marlis Stein, Ann-Sophie Stückle, Bettina Sturm, Bikje van Soest, Felix Zimmermann

Erläuterungen zu den Plastiken

Ein Text von Maxie Braun

Kunst und Leben – so lautet eines der Schwerpunktthemen unseres diesjährigen Kunstabiturs. In diesem Zusammenhang haben wir uns ausführlich mit der Künstlerin Louise Bourgeois beschäftigt, die ihre Kindheitserlebnisse in und mit ihrer Kunst verarbeitet hat.

Der schöpferische Impuls ihrer Werke ist in ihrer Kindheit zu suchen. Sie setzt sich mit den früheren Ängsten und Gefühlen wie Wut, Trauer, Einsamkeit und dem Kampf um die Liebe ihrer Eltern auseinander und es gelingt ihr, diese Emotionen in ihrer Kunst eindrucksvoll, berührend und oftmals auch erschreckend darzustellen. Louise Bourgeois' Werke sprechen die Wahrheit. Sie lügen nicht. Sie sind so ehrlich, dass man mit sich selbst kämpfen muss, um sich darauf einzulassen und somit all den Ängsten und traumatischen Erlebnissen, die Louise erlebt hat, ins Auge zu blicken. Sie selbst sagt, dass ihre Arbeit für sie kein Heilmittel, sondern ein Beruhigungsmittel ist. Louise Bourgeois gibt ihrer Angst eine Form und dadurch eine Wendung. Dass sie sich mit ihrer Vergangenheit und den Erlebnissen in ihrer Kindheit beschäftigt, gibt ihr die Möglichkeit, sich ihrer Angst zu stellen und sie zu überwinden.

"Entweder man akzeptiert seine Vergangenheit oder man verdrängt sie. Wenn man sie nicht akzeptieren kann, wird man selbst zur Skulptur." (Louise Bourgeois)

Im Jahr 2008 sind wir mit dem Kunstprofil zur Ausstellung von Louise Bourgeois nach Paris gefahren. Als ich ihre Werke gesehen habe, war ich sehr beeindruckt. So einschüchternd waren die übergroßen "Cells", so faszinierend die riesigen, kantigen Spinnenbeine, so erschreckend die posthume Abrechnung mit ihrem Vater in dem Werk "Destruction of the father", so schön ihre Marmorarbeiten mit den unterschiedlichen Oberflächenstrukturen, so ausdrucksstark ihre Zeichnungen…

Damals wussten wir noch nichts über ihre Motivation, über die biografischen Aspekte in ihren Werken. Wir kannten sie nur als Künstlerin, die sich intensiv mit dem Leben auseinander setzt und dies als Inspiration für ihre Arbeiten nutzt. Je mehr wir über ihre Arbeitsweise, ihre Gedanken und Gefühle, ihr Leben und ihren Hintergrund, über ihre Motivation und über sie selbst lernten, desto mehr öffneten sich auch ihre Werke für uns. Wir konnten dadurch nicht nur die äußere Form, sondern auch die inhaltliche Ebene sehen und verstehen. Wir konnten uns die Werke mit Bezug auf ihr Leben erschließen und so auch viele Anregungen für unsere eigene praktische Auseinandersetzung mit unseren Erinnerungen finden.

Unsere praktische Aufgabe "Ich – im Käfig der Erinnerungen" bestand darin, eine Installation zu diesem Thema zu konzipieren und uns mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Sowohl auf inhaltlicher, sinnlicher als auch auf ästhetischer Ebene sollte ein "Erinnerungsraum" entstehen, der bei dem Betrachter die unterschiedlichsten Assoziationen weckt.

Louise Bourgeois' Werke sind mehr als nur künstlerische Ästhetik, ihre Werke verkörpern das Leben, verkörpern ihr Leben als Kind, als Frau, als Mutter, als Künstlerin. Mit ihren Arbeiten lässt Louise Bourgeois andere Menschen an ihrer Lebensgeschichte teilhaben. Sie regt an zum Nachdenken, zum Reflektieren frei nach Bourgeois' Motto "Ich vergebe nicht, ich vergesse nicht."

Fotogalerie aller Schülerarbeiten

"Ich - im Käfig der Erinnerungen"

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Als wir anfingen, uns mit Louise Bourgeois zu beschäftigen, war sie eine der wenigen Künstler, über die wir bis jetzt in der Schule gesprochen hatten, die noch lebte. Kurz nach unserem Abitur ist sie im Alter von 98 Jahren gestorben, aber durch die Art ihrer Kunst wird ihr Lebenswerk weiterhin eines der lebendigsten Themen sein, mit dem man sich beschäftigen kann. In unseren Arbeiten haben wir versucht, ihre Offenheit und den tiefen Umgang mit der eigenen Person und Vergangenheit zu übernehmen. Der Gedanke, alle Motivation und künstlerische Kraft allein aus sich selbst zu schöpfen, liegt im Kunstunterricht oft fern, weil es nicht leicht ist, sich vor den relativ Fremden in der Schule so zu öffnen, doch Louise Bourgeois hat sich vor der Welt geöffnet und ihr Innerstes gezeigt, und damit auch, wie man im selben Moment aufrecht und stolz da stehen kann.

Judith Schweizer